Heimat - und Geschichtsverein
Hainburg e. V.

Presse

28.September 2017

Drei Ausstellungen zur Hainstädter Kerb

Zur Hainstädter Kerb lädt der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg wieder in sein Ausstellungsdepot ein. Dieses mal gibt es drei unterschiedliche Ausstellungsthemen. Ein großer Teil hiervon umfasst die Lederbearbeitung und Schuhherstellung. Hierzu konnten nun alle Maschinen in den letzten Monaten wiederhergerichtet werden, sodass Sie vorgeführt werden können. Zahlreiche dazugehörige Kleingeräte, Schustergarn, Schuhnägel und Garnwachs wurden dem Verein in zwei Holzkisten aus einer Haushaltsauflösung in Hainstadt übergeben. Ewald Roth, so hieß der frühere Besitzer war gelernter Sattler und arbeitete über viele Jahre in den Schuhherstellungsbetrieben. Eine schöne Anekdote konnte seine Tochter aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg erzählen. Er hatte zu dieser Zeit einige größere Gebinde Schuhcreme, doch der Bevölkerung aus Hainstadt und Umgebung konnte er diese nur in geringen Mengen verkaufen, da diese nur über wenig Geld oder Lebensmittel zum Tauschen besaßen. Also füllte der die Creme in kleinere Dosen um und bot diese den Amerikanischen Besatzungssoldaten mit folgenden Worten an: „Will you have Schuhwichs?“ Englisch konnten damals in einem Dorf wie Hainstadt nur sehr wenige – aber Roth verkaufte dennoch genug Schuhcreme um damit seine Familie ernähren zu können.

Andere Ausstellungsthemen sind die Archäologischen Funde der Sammlung Johann Kaiser und Unterlagen vom ehemaligen Gruppengaswerk in Hainstadt. Zu sehen sind die Ausstellungen im Ausstellungsdepot, Elisabethenstraße 8 in Hainstadt am Kerbsonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr.


21.August 2017

Geschichtlicher Streuobstwiesenrundgang in Hainburg

Der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg bietet am kommenden Sonntag einen geschichtlichen Streuobstwiesenrundgang in Hainstadt an. Bei dem Rundgang durch das Schönfelder Feld erfährt man, wie man noch heute den Verlauf der Grundstücksparzellen vor der Flurbereinigung in den 1960er Jahren erkennen kann. Thema werden auch Gelber Richard, Gravensteiner, Bismarckapfel, Roter Trierer Weinapfel und andere historische Apfelsorten sowie ihre Herkunft und Eigenschaften sein wenn auch in diesem Jahr durch den Frost im Frühjahr nur sehr wenige Früchte an den Bäumen hängen. Von öffentlichen Obstbaum-Fördermaßnahmen und Straßenbäumen wird ebenso berichtet werden. Auch ein politischer Streit um die Gemeindeeigene Baumschule in Klein-Krotzenburg, der vor über 160 Jahren ausgetragen wurde und sogar den Kreistag beschäftigte, wird ein Thema sein. Der Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart wird mit Erläuterungen zur aktuellen Verarmung der Obstsortenvielfalt gespannt.

Treffpunkt der kostenlosen Führung mit Stefan Becker ist in Hainburg – Hainstadt, verlängerte Lessingstraße Parkplatz an Baiers Treibhaus am kommenden Sonntag, 27. August um 16.00 Uhr.


08.August2017

Ausstellung zur Geschichte der Gasversorgung in Hainburg und Umgebung großer Erfolg

Fast zu klein war der Raum im ehemaligen Gasmeisterhaus um die zahlreichen Besucher zu fassen, die die Ausstellung zur Geschichte der Gasversorgung von Hainburg und Umgebung zum Thema hatte. Das Gebäude, in dem heute die Ortsgruppe Hainstadt vom Deutschen Roten Kreuz sein Domizil hat, ist das einzige aus der Betriebszeit noch stehende Haus. Hierin wurde von den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins diese Ausstellung zu den Tagen der Industriekultur konzipiert. So hat Ingrid Heinzinger-Miltz zahlreiche Urkunden aus dem Gemeindearchiv aufbereitet wie z. B. Buchführungsprotokolle des damaligen Klein-Krotzenburger Bürgermeisters Zilg. Karlheinz Bodensohn konnte einige Bilder vom ehemaligen Gaswerk zusammentragen. Vor allem vom Abbruch und der aufwendigen Bodensanierung hat er so viele Bilder erhalten, dass er diese zu einer Beamer-Präsentation zusammenfasste. Klaus Pairan hat diese Ausstellung vor allem durch „begreifbare“ Stücke anschaulich gemacht. So konnte er vor einigen Jahren im Zuge von Straßenbaumaßnahmen Teilstücke er originalen Gasleitungen aus Gussstahl, die nach Klein-Auheim führte, sicherstellen. Anhand zerlegter Gaszähler konnte er auch die Technik der Gasverbrauchsmessung erläutern. Besonderes Interesse fand ein Gaszähler, der erst nach Einwurf einer Geldmünze die jeweilige Gasmenge zum Verbrauch freigab. In dem ehemaligen Gaswerk wurde aus Steinkohle, die per Bahn vom Ruhrgebiet oder dem Saargebiet bezogen wurde, vor allem Gas hergestellt. Nebenprodukte waren Koks, dass vor allem Hainstädter als günstiges Brennmaterial bezogen, Teer, das zur Farbenherstellung verkauft wurde und Ammoniak das ebenfalls in der chemischen Industrie Abnehmer fand. An ein weiteres „Nebenprodukt“ der Gasherstellung konnten sich noch manche Hainstädter Besucher erinnern. Bei Erkältung und vor allem bei Keuchhusten mussten diese auf dem Gelände des Gaswerks umherlaufen und die dortige Luft tief einatmen. Die Krankheit ging dann meist schnell weg – eventuelle Nebenwirkungen war damals noch nicht bekannt.


14.August 2016

Pioniere der Kunststoffverarbeitung in Hainburg

Im Rahmen der Tage der Industriekultur Rhein-Main stellt der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg in diesem Jahr einen Pionier der Kunststoffverarbeitung in Hainburg vor. Es handelt sich hierbei um Georg Heinrich Kins der sich im Jahr 1932 im Hainburger Ortsteil Hainstadt als Maschinenschlosser selbstständig machte. Hier spezialisierte er sich zunächst auf die Reparatur von Maschinen und Großgeräte in der Landwirtschaft und der aufkeimenden Industrie im Umkreis von über 100 Kilometer. Dabei lernte er die neu entwickelte Kunststoffspritzgusstechnik kennen und reparierte die anfangs noch sehr anfälligen Maschinen. Doch schon bald kaufte er seine erste eigene Spritzgussmaschine und baute hierzu seine eigenen Formen. Diese Spritzgusstechnologie nutzte er im Kreis Offenbach erstmalig. Speziell für diese Technologie entwickelte Kins zusammen mit einigen Mitarbeitern zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen die er sich in teilweise weltweiten Patenten sicherte. In diesem Bereich leistete diese Firma in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre Pionierarbeit. Die Firma nannte sich zu dieser Zeit „Hessische Kunststoffwarenfabrik G. H. Kins GmbH“. Zuerst wurden Kammwaren, Feuerzeuge und Teile für die Lederindustrie produziert. Nach dem Krieg kamen auch Teile für Kühlschränke, Haushaltswaren, und Flugzeugzubehör hinzu, die mit eigens hierfür entwickelten Maschinen hergestellt wurden. Zu dieser Zeit arbeiteten über 300 Menschen in diesem für Hainstadt so wichtigen Betrieb.

Zu den Tagen der Industriekultur wird in dem Gebäude, in dem die Firma Kins gegründet wurde, eine kleine Ausstellung vorbereitet. Es werden hier zahlreiche, noch vorhandene Produkte sowie Bilder aus der Produktion ausgestellt. Georg Kins, Sohn des Firmengründers sowie einige ehemalige Mitarbeiter führen durch das Gebäude. Sie werden den Interessierten sicherlich einige interessante Anekdoten aus dem Firmenleben und was darum herum geschah zu berichten wissen. Zudem hat Ingrid Heinzinger-Miltz ein Heft zur Firmengeschichte zusammengestellt, dass in der Reihe „Geschichten und Geschichte aus Hainburg“ erscheint und dort erstmalig zu erwerben ist. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 21.August 2016 von 14.00 bis 17.00 Uhr in Hainstadt, Hauptstraße 82 (heute Vereinsheim des Gesangsvereins Harmonie) statt.


30.September 2015

Präsentation zur Franzosenzeit und den Befreiungskriegen von 1792 bis 1815 in Hainburg

Das Projekt "Geist der Freiheit - Freiheit des Geistes" der Kultur Region Frankfurt Rhein Main schickt anlässlich des Jahrestages 200 Jahre Befreiungskriege die Wanderausstellung "Krieg und Freiheit" auf Tour durch die ganze Region. Im Kreis Offenbach ist diese Schau nur in Hainburg beim Heimat- und Geschichtsverein zu sehen. Eröffnet wird diese Ausstellung am Freitag, 2. Oktober durch Landrat Oliver Quilling und dem Ersten Gemeindebeigeordneten Alexander Böhn. Es ist eine Zusammenschau der Ereignisse von der Französischen Revolution 1792 über die Befreiungskriege 1813 bis zur Neuordnung Deutschlands 1815. Doch was hat die große Weltgeschichte und Napoleon, der diese Zeit wesentlich prägte, mit der Geschichte des Rhein-Main Gebietes oder sogar mit der Geschichte Hainburgs zu tun?

Die Historikerin Magdalena Zeller von der Kultur Region Frankfurt Rhein Main hat hierzu zahlreiche Dokumente entdeckt und professionell ausgewertet. Unterstützt wurde sie unter anderem von Ingrid Heinzinger-Miltz, die aus den Archiven von Hainburg und Seligenstadt auch Erstaunliches aus der engeren Heimat beisteuerte. Speziell für die Hainburger Ausstellung gibt es zusätzlich noch Unterstützung von Privatsammlern, Vereinen und Museen aus Rodgau, Seligenstadt, Hainburg, Mainhausen und Groß-Umstadt. So kann man z. B. ein Bild von der Schlacht bei der Tannenmühle sehen, das im Besitz des Geschichtsvereins Weiskirchen ist. Ebenfalls aus Rodgau kommt ein Münzsammler, der anhand dieser Münzen die ganze Heimatgeschichte erläutert. Ein Hainburger Schütze, der sich innerhalb dieses Sportes auf historische Waffen spezialisiert hat, steuert zur Ausstellung originale Waffen und Ausrüstungsteile der damaligen Soldaten bei.

Die Ausstellung wird von der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Kreis Offenbach maßgeblich gefördert. Begleitet wird die Veranstaltung von verschiedenen Vorträgen, auf die in der Offenbach Post hingewiesen wird. Am kommenden Freitag, 2. Oktober um 18.00 Uhr wird diese Präsentation eröffnet. Danach ist die Ausstellung in der Elisabethenstraße 8 in Hainburg-Hainstadt samstags und sonntags vom 3. Oktober bis 26. Oktober von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung und den Vorträgen ist frei.


16.April 2015

Neuer Vorstand beim Heimat- und Geschichtsverein

Der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg führte am 14. April seine Jahreshauptversammlung durch. Bei den dabei anstehenden Vorstandswahlen stellten sich vier verdiente Mitglieder nicht mehr zur Wiederwahl. Hierbei ist Anna Biallek, die vor 17 Jahren das Amt der Vorsitzenden übernahm und damals den Verein erst wieder neu aufbauen musste. Auch an zahlreiche, von ihr organisierte Veranstaltungen wie z. B. Fotoausstellungen zur historischen Entwicklung von Klein-Krotzenburg und Hainstadt oder zur Vereinswelt von Klein-Krotzenburg sind nicht vergessen. Der bisherige Schriftführer, Dr. Dieter Krümpelmann begleitete dieses Amt seit 6 Jahren. Mit seiner Fähigkeit, historische Handschriften fließend lesen zu können, der sogar vor dem Lesen und Übersetzen von lateinisch abgefassten Urkunden nicht zurückschreckt, wird er auch zukünftig dem Verein beratend zur Seite stehen. Mit der Schatzmeisterin Tanja Badmos tritt eine ausgewiesene Fachfrau für die Buchführung nicht mehr an. Seit der Gründung des Vereins im Jahre 1993 war Hans-Wilhelm Frohme als Beisitzer tätig. Vor allem im Archiv und bei zahlreichen Veranstaltungen war er immer verlässlich im Einsatz. Nach der Verabschiedung dieser langjährigen Vorstandsmitglieder leitete nach einstimmigen Beschluss der zahlreichen anwesenden Vereinsmitglieder der Erste Gemeindebeigeordnete Alexander Böhn die Neuwahl. Hierbei wurden Stefan Becker als Vorsitzender, Karlheinz Bodensohn als Stellvertretender Vorsitzender, Ingrid Heinzinger-Miltz als Schriftführerin, Klaus Weber als Schatzmeister und als Beisitzer Anna Biallek, Klaus Pairan und Gerhard Kins gewählt. In einem ausführlichen Tätigkeitsbericht wurde das vergangene Jahr für den Verein gewürdigt. Es wurde auch auf das Programm im aktuellem Jahr hingewiesen. Hier seien eine Ausstellung zum Hainburger Markt, zu den Tagen der Industriekultur und eine Beteiligung am Hainburger Grenzgang erwähnt. Ein besonderes Ausstellungsprojekt für dieses Jahr wird die Wanderausstellung „Krieg und Freiheit in Hainburg und im Rhein-Main-Gebiet“ im Oktober sein.
Nach dem offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung wurde noch das neue Heft der Reihe „Geschichte und Geschichten aus Hainburg“ vorgestellt. Es handelt sich dieses mal um ein „sportliches“ Heft, da alle Beiträge von diesem Thema handeln. Besonders erwähnenswert sind hier die Geschichte des Klein-Krotzenburger Fußballs der Jahre 1935 bis 1938 und die Hainstädter Leichtathletik-Europameisterin Fini Krüger geb. Kohl die vor allem während der Jahre 1937 bis 1947 erfolgreich war.


27.September 2014

Bombenfunde auf der A3 schon 1958

Im vergangenen August wurde eine Bombe aus dem letzten Weltkrieg bei der Autobahnsanierung zwischen Obertshausen und Offenbach gefunden und kontrolliert gesprengt. Im September musste wegen weiterer Verdachtsstellen die Autobahn A 3 nochmals komplett gesperrt werden. Doch auch beim Bau dieser Fernstraße gab es bereits gefährliche Funde aus dieser Zeit. Stefan Becker vom Heimat- und Geschichtsverein Hainburg berichtet hierzu, dass für diesen Autobahnabschnitt schon 1938 die Planungen abgeschlossen waren. Im Winter 1938 / 1939 wurde der Wald auf der geplanten Streckentrasse gefällt. Diese breite Schneise im Wald diente zumindest bei Tagflügen den amerikanischen und britischen Bombern als Orientierungslinie. 1945 nutzten zudem einige Deutsche Armeeverbände diese Schneise für ihren Rückzug. Von beiden Gruppen fanden sich Hinterlassenschaften beim endgültigen Bau der Autobahn. Aus den Unterlagen des Geschichtsvereins ist ersichtlich, dass 1958 im Klein-Krotzenburger Waldteil, ein Großteil der Raststätte Weiskirchen liegt auf Klein-Krotzenburger Gemarkung, 30 Stück 15 - Zentimeter Granaten und einige Stahlhelme gefunden wurden. Die Munition wurde wie heute auch, von einem speziell ausgebildeten Sprengkommando entschärft. Es handelte sich dabei um Reste eines Deutschen Verbandes der sich wohl hier aufgelöst hatte. Fliegerbomben wurden im Dezember des gleichen Jahres in einigen Metern tiefe auf der Autobahntrasse bei Froschhausen festgestellt. Diese wurden vor den Bauarbeiten vorsichtig ausgegraben und ebenfalls entschärft. Wie aus diesen Meldungen ersichtlich ist, muss bei Bauarbeiten an der A 3 vor allem in Waldgebieten immer mit Bomben- und Munitionsfunden gerechnet werden.


4.November 2012

Hainstadt - Vernouillet: 50 Jahre Partnerschaft

Vor wenigen Wochen war eine Hainburger Delegation, an ihrer Spitze Bürgermeister Bessel, zu Besuch in Vernouillet um dort das 50jährige Jubiläum der Gemeindeverschwisterung zu feiern (wir berichteten am 12.10.2012 darüber). Doch wie kam es überhaupt zu dieser Verschwisterung?
Dazu hat der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg Erstaunliches in den historischen Unterlagen gefunden. Denn die Grundlagen hierfür wurden schon am Ende des Ersten Weltkrieges gelegt. Der junge Franzose Jean Mahler musste wie viele andere junge Europäer für sein Heimatland als Soldat seinen Dienst leisten. Bei einem Gefecht schwer verwundet, kam er in deutsche Gefangenschaft und hier in ein Offenbacher Krankenhaus. Offensichtlich wurde der gefangene, "gegnerische" Soldat sehr fürsorglich behandelt sodass er seine damalige Erkenntnis später folgendermaßen zusammenfasste: "1919 wurde ich zum Europäer".
Während der folgenden Zeit, die im Zweiten Weltkrieg gipfelte, waren jedoch kommunale Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Gemeinden nicht möglich. Später wurde Jean Mahler Bürgermeister von Vernouillet. Mit dieser Amtswürde versuchte er, eine Partnerschaft mit einer Gemeinde im Kreis Offenbach zu verwirklichen. Ein solches Vorhaben war bisher jedoch nur zwischen wenigen Großstädten wie Lyon und Frankfurt gelungen. Durch einen Zufall lernten sich 1960 im südfranzösischen Cannes die Urlauber Jean Mahler und Joseph Böhn kennen. Beide waren überzeugte Europäer und Bürgermeister ihrer Heimatgemeinden. Viele Schwierigkeiten waren noch zu überwinden, aber an Pfingsten 1962 war es so weit.
In Hainstadt fand die erste Verschwisterungsfeier im Kreis Offenbach mit einer französischen Gemeinde statt. Die dazugehörige Urkunde trägt die Überschrift "Vereint zum Bau von Europa". Ende September 1962 folgte der zweite Teil der Feierlichkeiten in Vernouillet. Fünf Jahre später wurde stolz von rund 1000 Begegnungen zwischen Gruppen beider Orte berichtet. Ebenfalls 1967 wurde der Bürgermeister von Vernouillet 65 Jahre alt. Zu diesem Anlass initiierte Joseph Böhn einen Beschluss, mit dem das Gemeindeparlament einstimmig Jean Mahler zum Ehrenbürger von Hainstadt ernannte.
Ein Kuriosum der Geschichte in der Partnerschaft hat Stefan Becker vom Heimat- und Geschichtsverein noch gefunden. Ende 1968 entstand eine riesige Währungskrise in Frankreich. In Folge dessen wurden öffentliche Zuschüsse für Verschwisterungsbegegnungen erheblich eingeschränkt. Zudem durften französische Bürger nur sehr wenig eigenes Geld für Besuche im Ausland, z. B. auch nach Deutschland, mitnehmen. Solche Einschränkungen sind zum Glück heute in Zeiten des Euros längst vergessen.


16.Februar 2011

Das ehemalige Schwesternhaus in Hainstadt ist frisch renoviert

Mit der Anbringung der frisch renovierten Statue des hl. Josef wurde die Fassadensanierung des ehemaligen Schwesternhauses in Hainstadt abgeschlossen. Diese Arbeiten konnte Bürgermeister Bernhard Bessel dank einem entsprechenden Beschluss der Hainburger Gemeindevertreter mit Mitteln des Sonderinvestitionsprogrammes des Landes Hessen durchführen.
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1901 während der Amtszeit des Großherzoglich Hessischen Bürgermeisters Wenzel errichtet. Wie der Hainburger Heimat- und Geschichtsverein herausfand, wurden für das Mauerwerk 80.000 "Russensteine" und 4.000 Backsteine verbaut. Nur die Fassade besteht aus den fest gebrannten Backsteinen, heute würde man dazu Klinker sagen, die aus dem Hainstädter Werk der schon damals weltweit tätigen Baufirma Holzmann stammten. Bei den dicht hinter der Schaufassade und den Innenwänden vermauerten Steinen handelte es sich um günstige, handgemachte und im offenen Feldbrand hergestellte Russensteine, vermutlich ebenfalls aus Hainstädter Produktion. Für die Dachdeckung wurden 20.000 "Hainstädter Ziegel", damals Garant für eine gute Ziegelqualität, bestellt. Interessant ist auch, dass für die Decken über 8,4 Tonnen eiserne Träger verbaut wurden. Im großen Saal im Erdgeschoss tragen 3 gusseiserne Säulen, die zusammen weitere 1,2 Tonnen wiegen, die Deckenlasten. Der Neubau kostete nach den Unterlagen, die der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg entdeckt hat, damals zusammen rund 17.000 Mark.
Am 15. Dezember 1901 konnten drei Schwestern von der "Congregation der barmherzigen Schwstern vom allerheiligsten Heiland", die schon seit 1898 in Hainstadt wirkten, in den Neubau einziehen. Diese waren vorher schon in der Krankenpflege und mit der Unterrichtung von Handarbeits- und Nähfertigkeiten beschäftigt. In dem großen Saal des Neubaues konnte ab diesem Zeitpunkt zudem eine Kinderbewahrschule eingerichtet werden, die ebenfalls von den Schwestern geleitet wurde. Hier wurden bis zu 120 noch nicht schulpflichtige Kinder in einer Gruppe betreut. Im Jahre 1971 siedelte der Kindergarten in einen Neubau in der Friedhofstraße um. Im alten Schwesternhaus wurden Vereinsräumlichkeiten und die Gemeindebücherei eingerichtet. Seit 1981 bevölkern wieder Kinder einige Räume des alten Gebäudes, denn im Obergeschoss zog der offene Kinderhort für schulpflichtige Kinder ein. Auch das Archiv der ehemals selbstständigen Gemeinde Hainstadt befindet sich mittlerweile in dem denkmalgerecht sanierten Gebäude.